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Max Frisch und Burgunderweine

F(r)isch und Rotwein?

Einer der ganz grossen Schweizer Schriftsteller der Nachkriegszeit war Max Frisch (1911-1991). Mit seinen Romanen Stiller und Homo Faber sowie seinen Theaterstücken Andorra und Biedermann und die Brandstifter erreichte er weltweit ein Millionenpublikum. In vielen seiner Schriften spielt Wein keine unwichtige Nebenrolle – ganz speziell Weine aus Frankreich, allen voran aus dem Burgund.

„Du vin rouge – avec des poissons?“, entsetzt sich etwa ein französischer Kellner in einem Pariser Restaurant, als die Hauptfigur in Homo Faber gedankenverloren einen Beaune bestellt. In dem 1957 geschriebenen Roman erlebt der Ingenieur Walter Faber durch eine Aufeinanderfolge unwahrscheinlicher Ereignisse allerlei Abenteuer.

Der Protagonist selbst hat eine Vorliebe für den aus der Weinhauptstadt des Burgunds stammenden Beaune. So bestellt Faber auch auf einer transatlantischen Schifffahrt von New York nach Le Havre zur Feier seines 50. Geburtstags eine Flasche Beaune 1933, der beste Wein, der an Bord zu haben ist. Der Wein erfreut in zuerst ausserordentlich, der Abgang enttäuscht ihn allerdings ein wenig: „grossartig im Bouquet, im Nachgeschmack etwas dürftig, zu kurz, leider auch wenig trübe […]“.

Max Frisch bei der Uraufführung des Dramas Andorra.


Teuflische Gäste und Weltenbummler

Umso besser schmecken den Theaterfiguren ein anderer Burgunderwein. Im 1958 uraufgeführten Theaterstück Biedermann und die Brandstifter stösst der Gastgeber Gottlieb Biedermann mit seinen teuflischen Gästen mit einem roten Pommard an, den alle ausserordentlich geniessen. Das Anbaugebiet Pommard grenzt nordöstlich an dasjenige von Beaune, und wie der Beaune wird auch der Pommard aus der Rotweintraube Pinot Noir gekeltert.

Und welchen Wein trinken Frischs fantastische Schöpfungen, wenn mal kein roter Burgunder, sondern ein Weisswein angebracht ist? Unser Ingenieur Walter Faber jedenfalls ergötzt sich nach einer langen Reise in seiner Wohnung am Central Park in New York an einem Sauternes. Diesmal handelt es sich also um einen Bordeauxwein. Das Anbaugebiet Sauternes ist für seinen edelsüssen Weisswein bekannt.

Dass Max Frisch ein Weinliebhaber war, erstaunt angesichts solcher literarischen Widmungen also kaum. Davon zeugt auch der Weinkeller, den er in seinem Tessiner Refugium Berzona bauen liess. Dass der Keller mit französischen, speziell Burgunder Weinen gut bestückt war, ist nach all diesen literarischen Referenzen durchaus wahrscheinlich. Max Frisch erwähnte einmal explizit, dass er sich am Abend gerne an einem piemontischen Barolo oder an einem Merlot erfreue.

In unserem Zyklus zur Schweizer Literatur veröffentlichen wir Artikel über die Wein-Affinität ausgewählter Schriftsteller aus der Schweiz.

Passend zur Lektüre

Hat Sie die Lust gepackt hat, ihre Nase wieder einmal in die fantastischen Klassiker von Max Frisch zu vertiefen? Gerne empfehlen wir folgende thematisch passenden Flaschen:


Bildquelle: Das Bild stammt aus der ETH-Bibliothek Zürich.

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