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Châteauneuf-du-Pape: Wie der Wein zu seinem Namen kam

Der Châteauneuf-du-Pape (AOC) ist heute eines der prominentesten Weine aus Frankreich. Schon im Spätmittelalter füllte Papst Johannes XXII. die Keller der Kirche mit Wein aus Châteauneuf-du-Pape. Wie hat die katholische Kirche den berühmten Wein aus dem Rhônetal geprägt? 

Wir befinden uns im Frankreich des Frühjahres 1314. An jenen kühlen Apriltagen treffen sich hohe kirchliche Würdenträger in der südfranzösischen Ortschaft Carpentras. Zehn Tage ist es her, dass Papst Clemens V. verstorben ist, der die päpstliche Residenz von Rom nach Avignon verlegt hatte. Nun muss ein neuer Papst ernannt werden.

Die Kardinäle beginnen die zähen Verhandlungen. Die Parteien sind zerstritten. Die Kardinäle aus Italien wollen einen der ihren, um nach Rom zurückzukehren. Die Franzosen versuchen das vehement zu verhindern. Plötzlich bricht Feuer in der Stadt aus. Den Kardinälen bleibt nichts anderes übrig, als das Konklave zu unterbrechen und Carpentras zu verlassen.

Porträt von Papst Johannes XXII. (1245/1249 bis 1334) aus dem 19. Jahrhundert.

Erst 1315 gelingt eine erneute Aufnahme des Konklave, diesmal in Lyon. Das Paktieren, Diskutieren und Intrigieren geht weiter, ohne Aussicht auf eine Einigung. Um diese zu erzwingen, sperrt Prinz Philipp, der schon bald König Frankreichs werden sollte, die unentschlossenen Kardinäle in einem Dominikanerkloster in Lyon ein. Die Kardinäle geraten unter Druck. Trotzdem lassen sie sich noch weitere 40 Tage Zeit bis am 7. August 1316 der neue Papst steht.

Es wird das zweitlängste Konklave der Papstgeschichte: 828 Tage später verlässt Jacques Duése als Johannes XXII. das Dominikanerkloster. Trotz seinen siebzig Jahren wird er 18 Jahre lang die katholische Kirche regieren – und auch als Weinförderer in die Geschichte eingehen.

Wie sein Vorgänger lässt sich der kleingewachsene und kränklich wirkende Papst in Avignon nieder. Ob der Wein bei der Entscheidung gegen Rom eine Rolle gespielt hat? Der italienische Dichter und Papstkritiker Francesco Petrarca witzelt damals jedenfalls, die Päpste würden sich vor einer Rückkehr nach Rom deshalb scheuen, weil sie befürchten, dort keinen Burgunder anzutreffen.

Rebberge in Châteauneuf-du-Pape (Aufnahme von 2010).

Wein gilt im Spätmittelalter als das gesündeste Getränk

Von Anfang an ist Johannes XXII. darin bestrebt, den päpstlichen Landbesitz zu vergrössern und den Weinbau zu fördern. Im August 1318 erwirbt er im 17 Kilometer entfernten Ort Castrum Novum Calcernerii, dem heutigen Châteauneuf-du-Pape, vier Weinberge. Sie sollen den Grundstein für das heutige Weinbaugebiet legen.

Mit den Weinbergen will der Papst nicht nur die Durchführung der Eucharistie sicherstellen, sondern auch die Weinkeller der Kurie füllen. Wein gilt zu jener Zeit im Mittelmeerraum als das gesündeste und wichtigste Getränk. Schließlich wird hier weder Bier gebraut, noch ist das Wasser trinkbar, da es oft verschmutzt war.

Um die Versorgungslage seiner Kurie auszubauen, erhöht Johannes XXII. bald die Anzahl der Kellermeister. Diese arbeiten im Weinamt, das für die einwandfreie Weinbeschaffung verantwortlich ist.

Die Kellermeister kaufen einerseits auswärtigen Wein, hauptsächlich in den benachbarten Orten St. Gilles und Beaucaire. Aber auch grössere Mengen Burgunder werden nach Avignon gebracht. Neben diesen Weinkäufen verfügt die avignonesische Kurie aber auch über eine eigene Weinproduktion. Durch Käufe und Bepflanzung  erweitert Johannes XXII. die Rebfläche. 

Die Ruine der päpstlichen Sommerresidenz in Châteauneuf-du-Pape, die unter Papst Johannes XXII. von 1318 bis 1334 gebaut wurde.

Die päpstliche Sommerresidenz wird zum Namensgeber

Trotz seines Rufes einer einfachen und genügsamen Lebensführung lässt der Papst in der malerischen Ortschaft Castrum Novum Calcernerii 1318 den Bau einer päpstlichen Sommerresidenz beginnen. Während der langjährigen Bautätigkeiten holt er Winzer aus seinem Heimatort Cahors in Okzitanien. Diese bestocken in den 1320er- und 1330er-Jahren die besten Hänge.

Schon bald beginnt eine eigene Weinproduktion – der Vorfahre des heutigen Châteauneuf-du-Pape (AOC). Die damaligen Erzeugnisse aus Châteauneuf sind allerdings nicht mit den heutigen Weinen zu vergleichen. Im Mittelalter war Wein leichtverderblich und wurde meistens im selben Jahr seiner Ernte und seines Kelterns getrunken. Letztjährige Weine wurden billig verkauft oder dem Almosenamt gespendet.

Ein Jahr vor dem Tod von Johannes XXII. ist die Sommerresidenz endlich vollendet. So kommt das christliche Kirchenoberhaupt wohl nur ganz zum Schluss seiner Amtszeit in den Genuss eines prachtvollen Blickes auf die malerischen Weinberge rund um seinen Palast. Als er am 4. Dezember 1334 stirbt, sind die meisten sonnigen Lagen in Castrum Novum Calcernerii bestockt. Damit fängt die erfolgreiche Geschichte der Weine aus Châteauneuf-du-pape im Rhônetal an.

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